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Corona und die Pest

Eine furchtbare Übertreibung, wenn man das Coronavirus mit der schwarzen Pest des 14. Jahrhunderts vergleicht? Was die Todesrate angeht, stimmt das natürlich: insgesamt ca. 30% der europäischen Bevölkerung sind bei dem ersten Pestschub 1347-50 gestorben, vereinzelt waren die Todesraten wesentlich höher. Aber was die Reaktion der Bevölkerung und die wirtschaftlichen Auswirkungen angeht, sieht einiges erstaunlich ähnlich dem, was wir jetzt alltäglich erfahren.Ein Blick 600 Jahre zurückIn seinem Buch Der schwarze Tod in Europa. Die Große Pest und das Ende des Mittelalters (1994) beschreibt Klaus Bergdolt detailliert die Verbreitung der Krankheit durch die europäischen Länder. Die Ursachen kannte man nicht, verwies oft auf „verpestete“ Luft oder Fäulnisgerüche von verdorbenen Lebensmitteln oder Brunnen. Mehrmals wird in zeitgenössischen Berichten vermerkt, dass allein der Anblick eines Pestkranken töten konnte – ein Hinweis auf die besonders tödliche Variante der Lungenpest, die durch Trö…

Gemeinde der Zukunft - Sieben Thesen

Im Sommer 2019 bekam ich die Anfrage einen Beitrag für das alt-katholische Jahrbuch 2021 zum Thema "Gemeinde der Zukunft" einen Beitrag zu schreiben. Mittlerweile ist das Jahrbuch im Druck und ich veröffentliche hier schon einmal die Einleitung des Beitrags als "Appetizer" und freue mich über gute Kommentare und Diskussionen - denn die dann später folgenden Thesen sind sicher für den ein oder die anderen etwas provokant..."Ende Februar 2020 war es soweit: ich hatte zeitnah und pünktlich diesen Beitrag fürs Jahrbuch im Kasten und war in einer geradezu euphorischen Stimmung, alles auf den Punkt gebracht zu haben, was mir wichtig war, Ihnen an Gedanken zum Thema "Gemeinde der Zukunft" mitzugeben. Wir hatten gerade zwei fulminante Medienfeatures über unsere Berliner Gemeinde im Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk (die eine gute Resonanz auch über unser Kernklientel hinaus verhießen), der Radiogottesdienst im DLF stand an, unsere SocialMedia-Kanäle waren für …

Klarer Blick

Offenbarung 3, 14 – 20 (Auszüge)
Schreibe an den Engel der Gemeinde in Laodizea:So spricht der, der das Amen ist – der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang von Gottes Schöpfung:Ich kenne deine Taten. Du bist weder kalt noch heiß. Wärst du doch kalt oder heiß!Aber du bist lauwarm und weder heiß noch kalt. Du sagst: Ich bin reich, wohlhabend und mir fehlt es an nichts. Dabei weißt du gar nicht, wie jämmerlich du eigentlich bist, bedauernswert, arm, blind und nackt.Ich gebe dir einen Rat: Kaufe von mir Gold, das im Feuer geläutertwurde. Dann bist du wirklich reich! Und kaufe strahlend weiße Kleider, damit du etwas anzuziehen hast. Kaufe außerdem Salbe, um deine Augen einzureiben. Denn du sollst klar sehen können!Sieh doch: Ich stehe vor der Tür und klopfe an! Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten. Ich werde mit ihm das Mahl einnehmen und er mit mir.

Es sind klare Worte, die hier an die christliche Gemeinde in Laodizea gehen: Ihr seid lauwarm – ach, wärt …

Der Morgenstern in Hochs und Tiefs

Liebe Leute,
es war schön, einige von Euch am Sonntag beim alt-katholischen Freiluftgottesdienst mal wieder zu sehen!Hier ein paar Gedanken zum Thema Morgenstern, immer noch im Nachgang zum Fest der Verklärung:
2 Petrus 1, 16–19
Petrus schreibt: Wir waren Augenzeugen der Macht und Größe von Jesus Christus. Denn er hat von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit empfangen, als eine Stimme von erhabener Herrlichkeit an ihn erging:

Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.

Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren. Dadurch ist das Wort der Propheten für uns noch sicherer geworden und ihr tut gut daran, es zu beachten, wie ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in eurem Herzen.
Wer morgens zeitig aufsteht, kann das Glück haben, den Morgenstern zu sehen, meistens ist es die Venus. Ganz unscheinbar, aber auch unübersehbar ist er der Vorbote des neuen Tages. Petru…

In einem anderen Licht

Alles klar? In Thüringen kriegt man dann manchmal die Antwort "klar wie Kloßbrühe" - also nicht so klar. Hier gibt es jedenfalls die Geschichte von der "Verklärung":Lukas 9,28–36Jesus nahm Petrus, Johannes und Jakobus mit sich und stieg auf einen Berg, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß.Und siehe, es redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elia; sie erschienen in Herrlichkeit und sprachen von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte.Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen.Und es geschah, als diese sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elia. Er wusste aber nicht, was er sagte.Während er noch redete, kam eine Wolke und überschattete sie…

Wer bin ich und wie viele?

„Wer bin ich - und wenn ja wie viele?“ Dieses Buch des Philosophen Richard David Prechtist seit 2007 ein Bestseller. Es geht u.a. der Frage nach, wie wir zu Bewusstsein und Verhalten und letztlich zu Identität kommen. Heute ist Identität für viele Menschen ein wichtiges Thema – und die Sorge um den Verlust derselbigen ermutigt so manchen zu Härte und Intoleranz. Kann ich nur dann eine eigene Identität haben, wenn ich mich von anderen abgrenze? Wie können wir fröhlich eine christliche Identität leben und anbieten, die Andersdenkende und -glaubende nicht ausschließt? Auch die Bibel ist ein Bestseller und auch dort geht es um Identität. Doch wie so oft gibt sie uns auch bei diesem Thema keine eindeutigen Antworten und nimmt uns das Selber-Denken nicht ab. Zunächst begegnet uns die Identität Gottes. Zu Mose sagt Gott im brennenden Dornbusch: „Ich bin der ich bin, das ist mein Name“ (Exodus / 2. Mose 3, 14). Gott ist also die Identität in Person, alles was ist, ist durch ihn und in ihm. I…

Den Sommer genießen und die Saat wachsen lassen

Diese Gedanken habe ich vor einigen Jahren im November bei einem Meditationsabend vorgetragen. Nun habe ich versucht, sie an die Juli-Sonne anzupassen...
Markus 4, 26 – 28
Jesus sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie.Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.
Dieser kurze Text befindet sich im Evangelium nach Markus. Er ist eingebettet in eine Reihe von Gleichnissen, in denen Jesus erklärt, wie man sich das Reich Gottes vorstellen kann. Wie sieht dieses Reich aus, wie sieht das aus, worauf wir hoffen dürfen? Die Antworten, die Jesus auf diese Frage gibt, sind so vielseitig, dass deutlich wird: Das Reich Gottes ist keine fixe Größe, keine Vorstellung, die wir festhalten können und auch kein eng umgrenzter Staat auf der Landkarte.
Wie sieht für uns das R…