Klarer Blick

 Offenbarung 3, 14 – 20 (Auszüge)


Schreibe an den Engel der Gemeinde in Laodizea:

So spricht der, der das Amen ist – der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang von Gottes Schöpfung:

Ich kenne deine Taten. Du bist weder kalt noch heiß. Wärst du doch kalt oder heiß!Aber du bist lauwarm und weder heiß noch kalt.

Du sagst: Ich bin reich, wohlhabend und mir fehlt es an nichts. Dabei weißt du gar nicht, wie jämmerlich du eigentlich bist, bedauernswert, arm, blind und nackt.

Ich gebe dir einen Rat: Kaufe von mir Gold, das im Feuer geläutert wurde. Dann bist du wirklich reich! Und kaufe strahlend weiße Kleider, damit du etwas anzuziehen hast. Kaufe außerdem Salbe, um deine Augen einzureiben. Denn du sollst klar sehen können!

Sieh doch: Ich stehe vor der Tür und klopfe an! Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten. Ich werde mit ihm das Mahl einnehmen und er mit mir.



Es sind klare Worte, die hier an die christliche Gemeinde in Laodizea gehen: Ihr seid lauwarm – ach, wärt Ihr doch heiß oder kalt. Gott liebt uns leidenschaftlich und er will auch leidenschaftlich zurück geliebt werden, nicht lauwarm und langweilig. Laodizea war eine reiche Stadt und das blieb wohl nicht ohne Auswirkungen auf ihre Bewohner – und auch auf die Christen dort. Ihnen legt Johannes den Satz in den Mund: „Ich bin reich, wohlhabend und mir fehlt es an nichts.“

Wie gehen wir heute mit so einem Satz um? Klingt doch eigentlich erst mal ganz gut. Oder anders gesagt: Schön wär's. Ich wär' so gerne Millionär.

Mir fehlt es an nichts.“ Der Autor der Offenbarung entgegnet, dass wir uns etwas vormachen. Er sagt: „Du weißt gar nicht, wie jämmerlich du eigentlich bist, bedauernswert, arm, blind und nackt.“ Das sind harte Worte und nicht gerade erbaulich für das „Trostbuch“, was die Johannes-Offenbarung sein will. Es sind Worte, die aufrütteln sollen.

Johannes greift Bilder aus dem Alltag der Menschen in Laodizea auf:

  • Es war eine Stadt der Banken, so wie heute etwa Frankfurt am Main oder Zürich. In diesen Kontext herein ruft Johannes: „Kaufe von mir Gold, das im Feuer geläutert wurde. Dann bist du wirklich reich!“ Die Botschaft hinter diesem Bild lautet: Wendet Euch dem Wesentlichen zu, vertraut nicht auf Euren Reichtum, sondern auf Gott.

  • Laodizea war eine Stadt, die bekannt war für ihr Textilhandwerk. Lagerfeld & Co. hätten sich wohl damals aus Laodizea angesiedelt. An diese vermutlich modebewussten Christen geht der Aufruf: „Kaufe strahlend weiße Kleider, damit du etwas anzuziehen hast.“ Es war damals üblich, dass Christen zu ihrer Taufe ein weißes Taufgewand bekamen, das sie nach ihrer Taufe mindestens eine Woche lang trugen. Kleider machen Leute. Der Autor des Textes will dazu ermutigen, sich mit dem Sinn dieses weißen Taufgewandes zu befassen, wenn es denn schon um Mode und Kleidung gehen soll. Die Taufe, die Hinwendung zu Christus, seine Hinwendung an uns, das ist es, was uns ausmacht und uns trägt.

  • In Laozidea gab es einen Augenarzt, der wohl weit über die Stadtgrenzen bekannt war. Man könnte heute sagen, Laodizea hatte einen Christian Drosten oder einen Dr. Brinkmann von der Schwarzwaldklinik. Jedenfalls hat man damals diese Stadt mit einem berühmten Augenarzt in Verbindung gebracht. Johannes wusste das und schreibt: „Kaufe außerdem Salbe, um deine Augen einzureiben. Denn du sollst klar sehen können!“ Hier geht es um den klaren Blick, den wir brauchen, um zur Selbsterkenntnis zu gelangen. Diese Augensalbe hat vielleicht eine Parallele im Salb-Öl. In jedem Fall soll sie dazu führen, dass die Christen von Laodizea klar sehen können und sich ihrer Bedürftigkeit bewusst werden.



Wie gehe ich mit meiner Bedürftigkeit um?



Fällt es mir eher leicht oder eher schwer, mir einzugestehen, dass ich kein self made man, keine self made woman bin, sondern dass ich angewiesen bin auf meine Mitmenschen und auf Gott?



        Was hilft mir, meine Bedürftigkeit anzunehmen?



In welchen Lebensbereichen bin ich heiß oder kalt oder lauwarm? Wo spüre ich Leben in mir?

 

  Carsten Albrecht

            Stadtkloster Segen

            Impuls in der Abendbesinnung im November 2017, aktualisiert im September 2020

 

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