In einem anderen Licht

Alles klar? In Thüringen kriegt man dann manchmal die Antwort "klar wie Kloßbrühe" - also nicht so klar. Hier gibt es jedenfalls die Geschichte von der "Verklärung":

 

Lukas 9,28–36

Jesus nahm Petrus, Johannes und Jakobus mit sich und stieg auf einen Berg, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß.

Und siehe, es redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elia; sie erschienen in Herrlichkeit und sprachen von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte.

Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen.

Und es geschah, als diese sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elia. Er wusste aber nicht, was er sagte.

Während er noch redete, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie aber fürchteten sich, als sie in die Wolke hineingerieten.

Da erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.

Während die Stimme erscholl, fanden sie Jesus allein. Und sie schwiegen und erzählten in jenen Tagen niemandem von dem, was sie gesehen hatten.



Diese Geschichte ist bekannt als die „Verklärung des Herrn“. Um ihre Wichtigkeit herauszustellen, feiern katholische und orthodoxe Christen das „Fest der Verklärung“ am 6. August. In der evangelischen Kirche steht diese Erzählung im Mittelpunkt des Gottesdienstes am „letzten Sonntag nach Epiphanias“, also Ende Januar oder Anfang Februar.


Wie klingt das Wort „Verklärung“ in Ihren Ohren? In der modernen Alltagssprache hat Verklärung einen Anklang von Beschönigung, Glorifizierung oder Idealisierung. Darum geht es in unserem Bibeltext jedoch nicht. Im Alten Ägypten und in der griechischen Antike meint Verklärung das Hinübergehen eines Menschen in die göttliche Sphäre, etwa bei Tod eines Pharaos oder wenn ein Held zum Halbgott erklärt wird. Auch darum geht es nicht im Evangelium – aber wir kommen der Sache schön näher.


Die drei Jünger, die mit Jesus auf dem Berg waren, haben etwas zu sehen bekommen, was aus einer anderen Dimension kommt. Sie kannten bisher nur den irdischen Jesus, den Lehrer, den Heiler, den Freund. Auf dem Berg der Verklärung wird ihnen aber für einen kurzen Moment gezeigt, wer Jesus auch ist, wer er hinter dem ist, was sie schon von ihm kennen: Ein Licht, das nicht menschengemacht ist; Gottes Sohn; die froh machende Vollendung dessen, was Moses und Elia auf den Weg gebracht haben. „Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“


Bei der „Verklärung des Herrn“ geht es also darum, dass etwas klar gemacht wird, was vorher im Unklaren war. Es ist ein Ereignis, das etwas klar macht, das aber einen tieferen Charakter hat als die bloß rationale Er-klärung oder Erläuterung.


Habe ich schon die Erfahrung gemacht, einen Menschen oder eine Situation plötzlich in einem anderen Licht zu sehen?


Wie können mir solche hellen Momente durch dunkle Zeiten helfen?


Jesus wurde „leuchtend weiß“, heißt es im Text, er strahle also ein Licht aus. Licht bleibt per Definition nie bei sich, es strahlt aus. Jesus behält dieses Licht der Verklärung nicht bei sich.


Kann ich in meinem Alltag etwas von diesem Licht sehen?


Was hilft mir, dieses Licht wahrzunehmen und anzunehmen?


Mir hilft dabei die Stille, im Sitzen und auch bei körperlicher Bewegung. Auch das Unterwegssein mit anderen, die Gemeinschaft schärfen meinen Blick für dieses Licht.

 

Carsten Albrecht, Stadtkloster Segen, Meditationsabend im August 2019, aktualisiert im August 2020


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